Lizenzfreier Direktverkehr auf 420 MHz? • Funkfreunde Essen

Lizenzfreier Direktverkehr auf 420 MHz?

Lizenzfreier Direktverkehr auf 420 MHz?

Beitragvon kappa3 » 15. November 2015 16:09

Bündelfunk, engl. Trunked radio system, ist der Überbegriff für verschiedene Standards von Funksystemen mit Kanalbündelung.

Die bekanntesten digitalen Bündelfunkstandards sind TETRA, Tetrapol, DMR und APCO P25. Die bekanntest

https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndelfunk

Vfg 64 / 2003
Allgemeinzuteilung der Frequenz 420,0 MHz für die Nutzung durch die Allgemeinheit
für Anrufmelder und Direktruf in Bündelfunknetzen

Auf Grund von § 47 Abs. 1 und 5 des [url=Telekommunikationsgesetzes vom 25. Juli 1996 (BGBl. I S. 1120)]Telekommunikationsgesetzes (TKG) vom 25. Juli 1996
(BGBl. I S. 1120)[/url] in Verbindung mit der Frequenzzuteilungsverordnung (FreqZutV) vom 26.
April 2001 (BGBl. I S. 829) wird hiermit die Frequenz 420,0 MHz zur Nutzung durch die All-
gemeinheit innerhalb von Bündelfunknetzen für Zwecke des Direktrufes und für Anrufmel-
dungen zugeteilt. Beim Direktruf handelt es sich um eine direkte Sprachverbindung zwischen
mobilen Bündelfunkendgeräten. Bei Anrufmeldungen handelt es sich um Aussendungen von
Bündelfunkendgeräten an entsprechende Empfangsgeräte.
Die Nutzung der Frequenz ist nicht an einen bestimmten technischen Standard gebunden.

http://www.bundesnetzagentur.de/SharedD ... onFile&v=4


Ich traue gerade meinen Augen nicht.

Ist es wirklich so, dass ich mit Bündelfunkgeräten (z.B. einem DMR-Gerät von Hytera)
auf 420,0 MHz anmelde- und lizenzfreien Direktverkehr mit geringer Leistung durch führen darf, wenn folgende Vorgaben der Allgemeinzuteilung eingehalten werden?

  • Maximale äquivalente Strahlungsleistung (ERP) : 1 W
  • Kanalbandbreite: 12,5 kHz
  • Die Frequenznutzung ist nur im Zusammenhang mit der Aussendung von Nutzsignalen ges-
    tattet.
  • In der Betriebsart Direktruf darf die maximale Sendezeit nur 60 Sekunden betragen
    (Zwangsabschaltung).
  • Eine Verbindung mit ortsfesten Funkstellen ist nicht zulässig.

desweiteren:
  • Geräte, die im Rahmen dieser Frequenznutzung eingesetzt werden, unterliegen den Bestimmungen des "Gesetzes über Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen" (FTEG) und des "Gesetzes über die Elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten" (EMVG).

Leider kommt diese Erkenntnis zu spät.
"Diese Allgemeinzuteilung ist bis zum 31.12.2015 befristet."
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Re: Lizenzfreier Direktverkehr auf 420 MHz?

Beitragvon kappa3 » 15. November 2015 16:29

Weil ich mich nicht auf die Defintion von Bündelfunk aus Wikpeida verlassen wollte, habe ich die
Verwaltungsvorschriften für Frequenzzuteilungen im schmalbandigen Bündelfunk (VVBüfu) konsultiert.

3. Bündelfunk allgemein

Der Bündelfunk ist eine Mobilfunkanwendung für Sprach- oder Datenübertragung mit einer oder mehreren Funkzellen. In jeder Zelle sind mehrere Übertragungskanäle oder Zeitschlitze verfügbar, die dynamisch zugewiesen werden, sobald ein Verbindungswunsch signalisiert wird. Über einen speziellen Organisationskanal/Zeitschlitz erfolgt die Signalisierung, Steuerung und Überwachung.

Der Bündelfunk wird aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften überwiegend zur firmeninternen Mobilkommunikation genutzt.
Er dient insbesondere auch der Gruppenkommunikation („Gruppenruf“), dem sofortigen Verbindungsaufbau („Push-to-talk/Direktruf“) und der Leitstellen-Funktion („Dispatcher“). Bündelfunknetze dienen der regionalen Versorgung. Das Funkversorgungsgebiet definiert sich durch die zugeteilten funktechnischen Parameter der genutzten Frequenzen.
Der Betreiber eines Bündelfunknetzes benötigt eine Frequenzzuteilung nach § 55 TKG.
Für die Sicherstellung einer effizienten und störungsfreien Frequenznutzung ist es erforderlich, dass die Frequenzen einzeln koordiniert und standortbezogen zugeteilt werden. Die Kenntnis über den Zuteilungsinhaber und dessen konkrete Frequenznutzungen dient der Verhinderung von funk-
technischen Störungen. Daher ist eine Allgemeinzuteilung im Bereich des Bündelfunks nicht möglich, da die standortbezogen zugeteilten Frequenzen innerhalb des Bundesgebietes auch von anderen Nutzern nach entsprechender Zuteilung genutzt werden.
Trotz sorgfältiger Prüfung der funktechnischen Parameter kann seitens der Bundesnetzagentur eine störungsfreie Frequenznutzung nur prognostiziert, jedoch nicht garantiert werden.
Seit Ende 2007 ist die Unterscheidung zwischen dem öffentlichen Bündelfunk und dem Betriebsfunk in Bündelfunktechnik auf der zuteilungsrechtlichen Ebene aufgehoben worden (vgl. Mitteilung Nr. 980/2007 im ABl. Nr. 24, S. 4917f).


Hier ist eigentlich nur ein Satz interessant (gefettet), wonach es keine Allgemeinzuteilungen gibt.

Aber keine Vorschrift ohne Ausnahme

6. Besondere Frequenznutzungen in Bündelfunknetzen

6.2 "Allgemeinzuteilung" der DMO- Frequenz 420,0000 MHz

Die "Allgemeinzuteilung" zur Nutzung der Frequenz 420,0000 MHz gilt nur für eine Kanalbandbreite von 12,5 kHz und darf nur unter den unten genannten Frequenznutzungsbedingungen genutzt werden.
Das Betreiben von zugelassenen mobilen Bündelfunk-Endgeräten in der zusätzlichen Betriebsart „Direktruf“ ist mit folgenden Parametern allgemein zugeteilt (s. Vfg 64 / 2003 im Amtsblatt der Bundesnetzagentur):
• Frequenz 420,0000 MHz (Mittenfrequenz),
• Kanalbandbreite 12,5 kHz
• Sendeart F3E/G3E (offene Sprache, keine Datenübertragung)
• Max. äquivalente Strahlungsleistung 1 Watt (ERP)
• Max. Sendezeit 60 s.
• Keine Störungsfreiheit garantiert
Die Allgemeinzuteilung ist bis 31.12.2015 befristet.
Die Frequenz 420,0000 MHz darf ohne weitere Einzelzuteilung nur im Rahmen des Betriebs eines Bündelfunknetzes genutzt werden. Es besteht kein exklusives Nutzungsrecht. Dies bedeutet, dass die Frequenz auch in anderen Bündelfunknetzen genutzt werden kann.
Hinweis:
Es ist beabsichtigt, die DMO- Frequenz 419,99375 MHz (Mittenfrequenz) mit einer Kanalbandbreite 25 kHz und einer maximalen äquivalenten Strahlungsleistung von 2 Watt (ERP) allgemein
zuzuteilen. Die entsprechenden Eintragungen im Frequenzplan liegen bereits vor.


Dies ist im Grunde die VVBüfu-Vorschrift aus der sich das eingangs verlinkte Merkblatt zur Allgemeinteilung ergibt. Dieses stammt dem Wortlaut nach noch aus Zeiten der RegTP also von vor 2006.

Knackpunkt ist somit die Aussage
"Die Frequenz 420,0000 MHz darf ohne weitere Einzelzuteilung nur im Rahmen des Betriebs eines Bündelfunknetzes genutzt werden."

Es ergibt sich die Fragestelltung "Wann betreibt jemand ein Bündelfunknetz im Sinne der Vorschrift".

Denn in Punkt 6.1 über DMO-Frequenzen hieß es zuvor auch noch:
Eine alleinige Zuteilung einer oder mehreren DMO- Frequenzen für die Nutzung ohne Bündelfunknetz ist nicht gestattet.


Wann ist ein Netz ein Netz?

to be continued
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Re: Lizenzfreier Direktverkehr auf 420 MHz?

Beitragvon TomiXNet » 17. November 2015 03:33

Ist auf jeden Fall ein interessantes Thema. Dieses sollte weiter beobachtet werden.
Amateurfunk ist die teuerste Variante, kostenlos drahtlos zu kommunizieren.
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